• Benno

Die Blende

Aktualisiert: Feb 7

Welche Rolle spielt die Blende? Wie wirken sich die verschiedenen Einstellungen aus?


Sobald wir uns mir mehr als dem Automatik-Modus beschäftigen wollen oder verstehen möchten, wie unsere Bilder überhaupt entstehen, ist die Blende einer der wichtigsten Punkte. Wer weiß, wie die Blende funktioniert und welche Gestaltungsmöglichkeiten sich durch verschiedene Blenden-Einstellungen ergeben, wird in der Regel "Auf Nimmerwiedersehen" zum Automatikmodus sagen. Wieso?


Die Blende beeinflusst die Belichtung


Vergleichbar mit der Pupille unserer Augen kann die Blende unterschiedlich weit geöffnet werden und somit unterschiedlich viel Licht auf den Sensor der Kamera durchlassen. Sie ist also neben der Verschlusszeit (die Zeit, in der das Licht auf den Sensor trifft) und dem ISO-Wert (die Lichtempfindlichkeit des Sensors) beteiligt bei der Belichtung des Fotos und beeinflusst diese je nach Blendeneinstellung. Je weiter die Blende zu ist, desto weniger Licht kommt durch, das sollte klar sein.


Die Blende beeinflusst die Tiefenschärfe


Ist die Blende relativ geschlossen, dann gelangen weniger "schräge" Lichtstrahlen auf den Sensor, sodass sich die Schärfe in der Tiefe erhöht. Ist sie weiter auf, dann kommen diese Lichtstrahlen durch und wir verlieren an Tiefenschärfe. Das äußert sich dann so, dass beim Fokussieren eines Motivs der Hintergrund und ggfs. auch der Vordergrund weniger scharf sind, als das Motiv selbst.


Je nach Blenden-Einstellungen beeinflussen wir also die Schärfe des Hinter- bzw. Vordergrundes. Bei einer sehr weit geöffneten Blende ist dieser vollkommen unscharf. Bei einer geschlossenen Blende ist unser gesamtes Bild scharf, es sind kaum bis keine Unterschiede in den Schärfe-Ebenen festzustellen.


Diesen Effekt nutzt man besonders bei der Landschaftsfotografie, denn da sollten in der Regel alle Bereiche im Bild, besonders auch jene in weiter Ferne sehr scharf sein. Daher wird bei der Landschaftsfotografie immer mit einer möglichst geschlossenen Blende fotografiert.


Die Blenden-Werte


Jetzt habe ich von weit geöffnet und geschlossen geredet, doch welche Zahlen - also welche konkreten Einstellungen - verbergen sich dahinter?


Je kleiner der Blenden-Wert, desto größer ist die Blenden-Öffnung:

Offene Blende = z.B. 1.8

Geschlossene Blende = z.B. 13


Zum besseren Verständnis diese beiden Beispiele:

Hier war die Blende relativ weit geschlossen (konkreter Wert: f 11), um auch Bereiche in der Ferne scharf abgebildet zu haben.

Hier war die Blende weit geöffnet, um das Motiv freizustellen und den "Fokus" des Betrachters auf einen bestimmten Bereich des Fotos zu lenken. Konkret war das hier der Wert f 1.8.


Unsere Objektive unterscheiden sich immer auch in der maximalen Blendenöffnung, dieser Wert ist daher auch immer in der Bezeichnung des Objektivs enthalten. So heißt das Sigma Art Objektiv mit der Brennweite 18 bis 35 Millimeter und einer maximalen Blendenöffnung von einer Blende mit dem Wert 1.8 auch Sigma Art 18-35mm f1.8. Das kleine "f" steht immer für die Blende. In dem Fall geht sie wie gesagt bis zum Wert 1.8 auf, das ist sehr weit. Es gibt auch Objektive mit einer maximalen Öffnung von 1.4 oder 1.2, einige wenige sind sogar im Bereich 1 oder darunter vorhanden, aber die kann in der Regel keiner bezahlen.


Denn die maximale Blendenöffnung entspricht ja auch der Lichtstärke unserer Objektivs. Geht sie sehr weit auf, dann kommt extrem viel Licht durch bis zum Sensor. In einigen Situationen brauchen wird das, bspw. wenn unser Umgebungslicht gering ist (in Räumen, bei Nacht etc.). Je nach Brennweite ist der Konstruktionsaufwand einer großen Blendenöffnung jedoch sehr hoch, was sich auch im Preis niederschlägt. Ein 70-200mm Objektiv mit maximaler Öffnung von f2.8 ist da schon mal doppelt so teuer wie ein 70-200mm Objektiv mit maximaler Öffnung von f4.


Wieso gibt man dann so viel Geld aus, wenn es auch günstiger geht?


Wie schon gesagt ist das eine Argument die Lichtstärke:


Bei der Astrofotografie fotografiert man bspw. die Milchstraße, die ist nur in völliger Dunkelheit sichtbar. Normal erhöht man bei Dunkelheit einfach die Belichtungszeit. Das Problem ist bei der Milchstraße und dem Sternenhimmel allgemein, dass sich unsere Erde dreht. Belichten wir zu lange, dann sind die Sterne keine Punkte mehr, sondern Striche. Je nach Brennweite können wir somit maximal 20 Sekunden belichten, was ganz schön wenig ist in völliger Dunkelheit. Also müssen wir neben einem höheren ISO-Wert auch die Blende verstellen, um die Sterne auf unserem Bild sichtbar zu bekommen. Je lichtstärker mein Objektiv also ist, desto besser kann ich Sterne fotografieren.



Bei der Sportfotografie oder auch bei der Hundefotografie kommt es auf sehr kurze Belichtungszeiten an, um die Bewegungen einzufrieren und keine Bewegungsunschärfe zu haben. Doch auch diese kurze Belichtungszeit erschwert es, ein ausreichend belichtetes Foto zu bekommen. Die Konsequenz: Weit geöffnete Blende, damit in dieser kurzen Zeit möglichst viel Licht auf den Sensor trifft.


Diese Tatsache schließt einige Objektive für den Einsatz in solchen Situationen aus. Vor dem Objektivkauf also immer auf die maximale Offenblende achten. Einige Zoomobjektive haben keine durchgehende Offenblende, d.h. bei unterschiedlichen Brennweiten ist die maximale Offenblende abweichend (zB. 3.5 -5.6).


Das zweite Argument ist die mit der Tiefenschärfe verbundene Bildgestaltung:


Ich habe schon erklärt, dass bei einer weit geöffneten Blende der Hinter- bzw. Vordergrund meines Motivs unscharf wird. In einigen Fällen ist das erwünscht. Bspw. im Bereich der Hundefotografie, denn da wollen wir unseren Hund im Fokus haben und den Rest nicht, damit das den Betrachter des Bildes nicht ablenkt und unser Motiv mehr zur Geltung kommt. Man spricht hier auch von "Freistellung", denn ich stelle das Motiv frei, um die Aufmerksamkeit nur auf mein Motiv zu lenken. Gleichzeitig wirkt das Bild viel harmonischer, wenn der Hintergrund schön weich und unscharf wird.


Um freizustellen wollen wir also wenig Tiefenschärfe und brauchen daher auch eine möglichst offene Blende. Je weiter sie aufgeht, desto größer ist die Freistellung. Die Freistellung wird auch noch durch die Brennweite beeinflusst, sodass bei einer großen Entfernung zum Motiv die Freistellung am besten klappt, während das im Falle der Blume, die wenige Zentimeter vor meiner Kamera steht, schwieriger ist. Gerade da brauchen wir dann eine weite Blendenöffnung, um trotzdem einen unscharfen Hintergrund zu bekommen.


In einigen Fällen wollen wir auch mit der Unschärfe und Schärfe spielen, um das Bild interessanter zu machen. So können wir bspw. ein Foto machen, das umrahmt wird von Zweigen. Wir stehen also irgendwo im Wald und haben Sicht auf ein schönes Motiv. Fokussieren wir auf das Motiv in der Ferne mit einer geschlossenen Blende (Stichwort Landschaftsfotografie), dann sind neben dem Motiv auch die Zweige scharf. Fokussieren wir auf die Zweige mit einer geschlossenen Blende, dann ist auch das Motiv im Hintergrund scharf. Anders bei der offenen Blende. Fokussiere ich da das Motiv in der Ferne, dann sind die Zweige unscharf, andersherum sind nur die Zweige scharf und das Motiv in der Ferne nicht. So ergeben sich also kreative Möglichkeiten, Bilder zu gestalten.


Der Haken bei der Offenblende


Bei der offenen Blende gibt es aber einen Haken. Je weiter wir die Blende aufmachen, desto geringer ist die Tiefenschärfe, das weißt du ja jetzt mittlerweile. Allerdings verkleinert sich so auch der Schärfebereich. Bei einer sehr weit geöffneten Blende ist nur ein winziger Bereich unseres Bildes scharf, eben genau der, den du fokussiert hast. Alles, was eine andere Entfernung zur Kamera hat, wird zunehmend unscharf. So ist bei einem Hund, den du offenblendig fotografierst, nur ein Teil des Gesichts scharf, während die Spitze der Schnauze bereits leicht unscharf ist (je nach Länge eben) und der Körper schon deutlich unschärfer ist, als eben der Part, den du fokussiert hast. Es ist dann wichtig, dass du die richtige Stelle fokussierst, im Idealfall das Auge, denn wenn die Schnauze oder der Rücken scharf sind und die Augen nicht, dann ist das Bild für die Tonne.


Das bedeutet, dass wir genau arbeiten müssen beim Fokussieren, um ein gutes Bild zu bekommen. Bei Bewegung des Motivs ist das aber teilweise ziemlich schwierig und bedarf neben einem gut und schnell funktionierenden Autofokus vor allem viel Übung und auch etwas Glück. Um diese Hindernisse zu minimieren, empfiehlt es sich, in einigen Fällen "abzublenden", d.h. die Blende etwas weiter zu schließen. So vergrößert sich unser Schärfebereich und das Motiv ist mit höherer Wahrscheinlichkeit scharf, auch wenn wir beim Hund die Schnauze statt den Augen fokussiert hatten.


Es ist also nicht immer ratsam, wenn wir eine Freistellung wünschen, mit maximaler Blendenöffnung zu fotografieren. Es ist immer auch abhängig vom Motiv und unserer Ausrüstung sowie unserer Übung. Bei einem Portrait, bei dem unser Motiv still sitzt und sich kaum bewegt, können wir jedoch ganz in Ruhe fokussieren und die Freistellung durch die maximale Offenblende vollständig ausreizen, weil wir sicherstellen können, dass das scharf wird, was wir auch scharf haben wollen.